Abschlussbericht über das erste Podo-Behandlungs- und Präventionsprojekt „Tschallia”

Diesen Sommer wurde die externe Supervision des Podo-Zentrums Tschallias abgeschlossen. Tschallia war das Pilotprojekt der Podo-Arbeit im Westen Äthiopiens. Wir haben für Sie den Abschlussbericht des Projektes zusammengefasst und heute gibt es hier den 1. Teil zu lesen. (Teil 2 und 3 folgen in den nächsten Wochen)

Teil 1: Die Selbsthilfegruppen

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 „Es gibt viele berührende Geschichten von Menschen, die an Podokoniose leiden. Jetzt lernen sie ein neues Leben kennen. Es ist durch ihre eigene Anstrengung möglich geworden, dass sie heute sagen können: Ich bin geheilt.“

 

Als das Podo-Zentrum Tschallia im Juli 2010 ins Leben gerufen wurde, waren viele Ansätze zur Therapie und Prävention von Podokoniose noch nicht geklärt und ausgereift. Das vordergründige Ziel war also die effektivste Behandlung herauszufinden, die möglichst günstig ist und möglichst viele Menschen erreichen kann. Im Laufe der Jahre konnte die Strategie zur Behandlung und Prävention optimiert werden und umfasst nun folgende Punkte:

1) Podo-Selbsthilfegruppen

2) Evaluierung der Nachhaltig- und Alltagstauglichkeit

3) Prävention in Form von  Schulunterricht

1) Podo-Selbsthilfegruppen

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Das erste Podo-Behandlungs- und Präventionsprojekt lief über einen Zeitraum von insgesamt drei Jahren (Juli 2010 bis Juni 2013). Innerhalb des Projektes wurden fast 3.000 Menschen mit Podokoniose in verschiedenen Selbsthilfegruppen behandelt, deren Anlaufpunkte Gesundheitszentren oder Gemeindekirchen waren, die durch EECMY¹/DASSC² geführt werden (¹ = Ethiopian Evangelical Church Mekane Yesus, ² = Development and Social Services Commision). Die fünf Distrikte, in denen z.T. mehrere eigenständige Selbsthilfegruppen gegründet wurden, sind Gulisso, Aira, Ganchi, Darium und Teferi.

Gulisso war mit 21 Selbsthilfegruppen, die insgesamt 1.634 Menschen begleiteten, der aktivste Distrikt. Das erklärt sich aus der Nähe zum Podo-Zentrum in Tschallia, wodurch Logistik, Personal und Kosten sehr viel einfacher zugänglich waren. Von allen Selbsthilfegruppenteilnehmer_innen des ersten Podo-Projektes waren 70% Frauen.

In jeder Podo-Selbsthilfegruppe wurde ein freiwilliges Mitglied gewählt, ein sog. Health Extension Worker, der oder die selbst von der Krankheit betroffen ist und der Selbsthilfegruppe angehört sowie aus dem jeweiligen Dorf stammt und (mehr oder weniger) alle Gruppenmitglieder kennt. Diese Mitarbeiter_innen waren IMG_1420Ansprechpartner_innen, halfen bei den Versammlungen der Selbsthilfegruppen, machten Hausbesuche etc. Im Dienste der Gesundheitsvorsorge ihrer Gemeinschaft arbeiteten sie unentgeltlich, bekamen lediglich manchmal Spenden aus ihrer Gruppe.

In regelmäßigen Abständen wurden die Selbsthilfegruppen von ausgebildeten Podo-Koordinator_innen besucht, die während der ersten Treffen vor allem über die Krankheit, deren Ursache, Prävention und Behandlung informierten und schließlich mit der Intervention begannen: Sie brachten Schuhe und Seife mit, zeigten den Mitgliedern die nötige Fußhygiene und dokumentieren systematisch den Verlauf deren Erkrankung. Diese Besuche konnten von Mal zu Mal in immer größer werdenden Intervallen stattfinden, bis sich die Podo-Koordinator_innen im 3. Projektjahr schließlich ganz zurückzogen, um kein Abhängigkeits-Verhältnis zu schaffen. Den meisten Gruppenmitgliedern ging es zu diesem Zeitpunkt so gut, dass sie allein zurechtkommen konnten. Weiterhin schwer Betroffene sollten dann von Diakon_innen der EECMY/DASSC begleitet werden.

BDS-Podozentrum in Tschallia

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In Tschallia, einem zur BDS³ zugehörigem Dorf, wurde das Podo-Zentrum aufgebaut (³ = Birbir Dilla Synod). Dort wurde die Krankenschwester Sr. Bogalech Terfasa als Projektkoordinatorin beschäftigt, die sich einerseits mit viel Erfahrung in gemeinschaftsbasierter Gesundheitsfürsorge und andererseits mit viel Herz für die von Podo Betroffenen engagierte. Sr. Bogalech übernahm von Tschallia aus die Supervision der meisten Selbsthilfegruppen.

Im Podo-Zentrum Tschallia wurden verschiedene Behandlungsmethoden studiert und erprobt:

–           Socken wurden als zusätzliche Barriere gegen eindringenden Staub eingeführt. Sie dienen als Ersatz für Bandagen zur Lymphdrainage, die als aufwendig und stigmatisierend empfundenen wurden.

–           Lokal produziertes, pflanzliches Öl wurde zur Hautpflege etabliert.

–           Die selbstgemachte desinfizierende Seife wurde hier produziert, was Logistik, Transport und Kosten einsparte sowie die lokalen Arbeitskräfte fördern konnte.

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