Barfuß, Modder und Schuhverteilung

Barfuß, Modder und Schuhverteilung

Selbst den schweren Modder der lehmigen roten Erde von den eigenen Globetrotter-Regen-Schuhen kratzend, konnte ich Podo Selfhelpgroups mit Christel Ahrens aufsuchen, um Phänomen und Arbeit kennen zu lernen.

Schuhverteilung war angesagt – welch Event!

Wie mühsam ist das Laufen und Unterwegssein im äthiopischen Hochland bereits mit gesunden Füßen! Doch sie waren den Weg hierher mit ihren Podo belasteten Füßen gekommen. Brav hatten sie Schuhe an, aber was für Schuhe: enge oder halb durchlöcherte Plastikschuhe, den Rest eines Schuhes mit Schnüren zusammen gehalten, geborgte Schuhe? Darin steckten ihre gruselig aussehenden von Podo belasteten Füße und geschwollenen Beine. Dank der Fragen der Podo Selfhelp Leiter kamen sie ins Gespräch über Erfahrungen und Erfolg der Fußpflege. Es wird besser!

Friederike Seim 'bewacht' die sortierten Schuhe

Friederike Seim ‚bewacht‘ die sortierten Schuhe

Der Schuhsack war in diese entlegene Gegend gebracht worden, die letzten Kilometer auf Eselsrücken, für jeden ein Paar nach Maß. Wie verteilt man äthiopisch? Zunächst wird das Geld eingesammelt, das jeder als Beitrag bezahlen muss. Einer kassiert und schreibt die Liste. Zerknitterte Birrscheine in der Hand. Jeder Schein ist kostbar.

Andere schneiden den Sack auf, schütteln alle Schuhe auf einen Haufen und viele Hände greifen danach, jeweils nach dem passenden zweiten Schuh suchend. Chaos! Es dauert, aber auch das wird.

Nur wer seine Füße begutachten ließ und bezahlt hat, bekommt sein Paar. Nun gilt es, den noch unförmigen Fuß in den Schuh hinein zu stecken und Schnürsenkel zu binden! Wie glücklich und stolz sie sind! Doch dann werden die kostbaren Schuhe wieder ausgezogen und in eine Plastiktüte gesteckt. Der Schatz muss sauber nach Hause gebracht und gehütet werden! Für den Rückweg durch den Modder reichen die alten Plastikschuhe, mit denen man ja auch bis hierher gekommen ist.

Wie beeindruckend ist diese individuelle Basis-Bildungsarbeit im entlegenen Hochland Äthiopiens! Wie leicht sind meine eigenen Füße.


Fiederike Seim besuchte im Juni 2014 Podo Selbsthilfegruppe in der Nähe von Chanka, 550 km westlich von Addis Ababa.