Corona in Äthiopien

Kürzlich erreichte mich, Christel, von einem Podo-Mitarbeiter folgende Nachricht: Einige Menschen, die nun auch in unserer kleinen Stadt positiv auf Corona getestet wurden, „verstecken“ sich bzw. flüchten an andere Orte.

Die ersten Fälle wurden Mitte März diagnostiziert, wenige Tage später erfolgte der Lockdown. Vor den öffentlichen Gebäuden stehen Wasser und Seife, jeder muß sich die Hände waschen, Mund-Nasen-Bedeckung in öffentlichen Verkehrsmitteln tragen. Die Wahlen wurden erneut verschoben. Der nationale Notstand wird für politische Zwecke mißbraucht, um unliebsame Mitbewerber für die nächsten Wahlen einzuschüchtern oder gar zu töten. Die Menschen leiden unter der Inflation, mangelhafte Versorgung mit Nahrungsmitteln, Einkommenseinbußen usw. Wer Geld hat,  machte Hamsterkäufe so wie in Deutschland auch.

Die Zahl der Coronafälle blieb wie in anderen afrikanischen Ländern anfangs niedrig: In Äthiopien waren es von Mitte März bis Mitte Mai offiziel weniger als 300 Fälle. In den letzten Wochen ist die Zahl auf 3.630 mit 61 Todesfällen (1.8%) gestiegen, Stand 17.6.20. Natürlich hält die Testkapazität längst nicht mehr mit und es ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

Die Bevölkerung ist schnell und gut über die neue Krankheit aufgeklärt worden. Jedem Telefonat wurde eine Info über Corona und wie man sich verhalten soll, vorgeschaltet. Aber es gibt auf dem Lande nur in wenigen Haushalten Seife und viele Menschen teilen sich einen Raum. Die Bevölkerung sucht Trost und Stärkung in ihrem jeweiligen Glauben. Selbst die Regierung hat zu vierwöchigem Fasten und Beten aufgerufen. „Am Ende kann uns nur Gott helfen“, hört man oft.

Unsere Podo-Arbeit ging noch weiter, weil wir auch über Corona informiert haben, nun natürlich mit Abstandsregeln und nicht mehr als 4 Personen. Wir überlegen, wie wir in Zukunft reagieren können, z.B. indem wir die Schuhpreise reduzieren.

Ich, Christel, bin Mitte Mai aus Äthiopien gekommen und hoffe, wie geplant im September zurückzufliegen, soweit man heutzutage eben noch planen kann.