Fototagebuch: Besuch einer Podo-Station

Fototagebuch: Besuch einer Podo-Station

Marei Petersen war im Dezember 2012 zu Besuch bei einer Einführungsveranstaltung über Podokoniose in einem Dorf, das zum Podo-Zentrum Tschallia gehört. Für uns hat sie ein Fototagebuch erstellt:

Freitag, 28.12.2012

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Das Podokoniose-Zentrum in Tschallia ist zuständig für:

1) Die Verwaltung und Dokumentation der Betroffenen. Die Zahl der Behandelten ist in den Jahren von 2009 bis 2012 rapide angestiegen.

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2) Die Lagerung von Schuhen und anderen Materialien

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3) Die Herstellung von Seife

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4) Die eigenständige Produktion von Schuhen in Übergröße

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5) und die Betreuung von mehreren Podo-Selbsthilfegruppen.

Die Hinfahrt zu einem dieser Dörfer habe ich miterlebt: Es ging durch Flüsse…

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…oder über einsturzgefährdete Brücken.

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Ein Lehrer war auch mit dabei, den wir auf dem Hinweg bei der Dorfschule absetzten. Ein Teil des Projektes besteht darin, dass der Lehrer in die Schulen geht und dort über das Thema Podokoniose unterrichtet. So sollen vor allem die anderen Lehrer dafür sensibilisiert werden und zur Bekämpfung der Stigmatisierung von Betroffenen beitragen.

Die Patienten waren vorher über unseren Besuch informiert worden und erschienen zahlreich: Von 70 Angemeldeten sind 64 gekommen. Treffpunkt war die Dorfkirche, wo die Betroffenen zunächst begrüßt und anschließend gefragt wurden, was aus ihrer Sicht der Grund für die geschwollenen Füße und Beine war. Viele hatte eine Hypothese über die Ursache: Vergiftetes Wasser, zu spitze Steine, eine Bestrafung oder eine Verfluchung.

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Dann wurden sie über die Ursachen ihrer Erkrankung aufgeklärt: Die Menschen hörten gebannt zu, als Schwester Bogalech ihnen erklärte, dass es sich um Silikate in der Vulkanerde handelt, die die Lymphgefäße verstopfen. Schwester Bogalech erläuterte die einfache Therapie, für die man nur eine Waschschüssel, Seife, Neemöl, Socken und ein Paar Schuhe benötigt.

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Von den Betroffenen wurden zwei Männer und eine Frau ausgewählt, die ein Komitee bilden sollten. Das Komitee soll das Projekt vor Ort repräsentieren, sich für die Umsetzung verantwortlich fühlen und als Ansprechpartner dienen.

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Die Menschen kamen in kleinen Gruppen nach vorne. Ihre Daten wurden aufgenommen und die Füße begutachtet.

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Zum Teil sind sogar schon Kinder von der Krankheit betroffen. Meist sind es Mädchen, weil sie oft barfuß laufen müssen, oder nur Schuhe schlechter Qualität bekommen.

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Dies sind die Füße einer jungen Frau, die in das Komitee gewählt wurde:

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Das nächste Bild zeigt die Füße eines älteren Mannes. Die Haut scheint verhärtet und Zehnägel sind nicht mehr zu erkennen.

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Nach längerem Krankheitsprozess können sich moosähnliche, harte Knötchen an den Füßen und Unterschenkeln bilden, deshalb wird Podokoniose auch „mossy food disease“ genannt.

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Alles wurde genau dokumentiert: Der Name, das Geschlecht, das Alter, die betroffene Seite und ob bereits „Moos“ vorhanden ist. Es wurde auch notiert, ob der Patient für Plastikschüssel, Seife, Neemöl und Socken bezahlt hat, um eine korrekte und transparente Abrechnung zu gewährleisten.

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Die Patienten kauften für 28 Birr (umgerechnet 1,15 Euro) eine Waschschüssel,

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Seife, Neemöl und ein Paar Socken

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und setzten sich draußen vor die Kirche, um ihre Füße zu waschen.

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Eine besonders schlimm betroffene junge Frau:

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Nach dem ersten Waschen wurde das dreckige Wasser durch frisches Wasser ausgewechselt und Salz hinzugefügt.

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In dem Salzwasser sollten die Füße 10 Minuten einweichen,

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um anschließend an der Luft getrocknet zu werden.

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Abschließend wurden die Füße mit Neemöl eingerieben

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und die neuen Socken angezogen.

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Sobald die Ersten fertig waren, wurden ihre Plätze von weiteren Betroffenen eingenommen.

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Immer mehr Patienten kamen hinzu.

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Ein Mädchen, das bereits unter einem Geschwür am linken Unterschenkel litt.

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Diese Ulzeration verursachte ihr schlimme Schmerzen.

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Die Menschen werden aufgrund des entstellenden Aussehens und des sehr abstoßenden Geruches gesellschaftlich ausgeschlossen.

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Menschen die besonders stark betroffen waren haben Schmerzmittel bekommen.

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Als Dankeschön gab es von der Dorfgemeinde „Wot“, das Nationalessen Äthiopiens, für alle Mitarbeiter.

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Glücklich über die gelungene Informationsveranstaltung in diesem Dorf traten wir den Rückweg an.

Mein Entschluss stand fest: Dieses Projekt ist sehr unterstützenswert!