Wer hätte das gedacht?

Wer hätte das gedacht?

Wenn die Mitarbeitenden der Podoarbeit in Äthiopien ehemalige Teilnehmer/Innen der Podo-Selbsthilfegruppen treffen, hören sie oft, dass es diesen jetzt besser geht. Einige sind selbst nach Jahren noch regelrecht begeistert über ihre ‚Heilung‘. Das hören die Mitarbeitenden natürlich gern,  aber bildet das auch die Wirklichkeit ab? Und wieviel am Lob ist der ‚afrikanischen Höflichkeit‘ geschuldet, einer Kultur, in der sich ein kritisches Wort erstmal verbietet.

zugeschnittene Seifenstücke

Die Projektkoordinatorin Bogalech Terfasa in Tschallia wollte es genauer wissen. Sie schickte Mitarbeitende mit einem Fragebogen von Haus zu Haus und durch avht Gemeinden. Menschen mit Podo wurden befragt und sodann wurde ihnen auf die Füße geschaut: Tragen Sie Schuhe und Socken? Sind die Füße sauber? Haben Sie Seife für Füße im Haus? Kann ich die mal sehen? Und wo ist die Plastikschüssel, die Sie einst gekauft haben?

594 Menschen mit Podo wurden gefunden. Und wer nicht zuhause war, dem ging es vermutlich gut. 44% der Befragen haben an einer Selbsthilfegruppe teilgenommen, meistens lag das bereits 5 Jahre zurück. Das war ein überraschender und trauriger Befund, denn die Mehrheit der Betroffenen ist keineswegs durch Selbsthilfegruppen erreicht worden.

Interessant ist es die, die an einer Selbstgruppe teilgenommen haben, mit denen, die nicht teilgenommen haben, zu vergleichen. Hier zeigte sich ein großer Unterschied in der Beurteilung der Füße. Ehemalige Teilnehmer/Innen sagten mehrheitlich (76%), es ginge ihren Füßen jetzt besser als vor 5 Jahren, versus 22% der Vergleichsgruppe. Der häufigste Grund, warum viele nicht an einer Podo-Selbsthilfegruppe teilgenommen haben, lautete: Wir haben davon nicht gehört.

Weitere Unterschiede fanden sich im Schuhtrageverhalten und im Gebrauch der Seife zur Fußhygiene. Die Seife macht den großen Unterschied, ob es jemanden mit Podo besser geht oder nicht. Wascht euch die füße mit Seife, das wird ein wichtiger Slogan werden. Wer hätte das gedacht, aber ist es nicht logisch?

Von Christel Ahrens.